Drehbuch und Regie: Ulrike Kofler, AT, 2024, 97 min., Drama

Der Film urteilt aber nicht über die Mutter, sondern skizziert mit sanften Pinselstrichen ein familiäres Gefüge, in dem die Verwahrlosung von Generation zu Generation weitergegeben wird – weil hier eine Mutter nach der anderen zu sehr mit dem eigenen Durchkommen beschäftigt ist, um sich auch noch um den Nachwuchs zu kümmern. (Katrin Nussmayr, Die Presse)

Ein Mädchen zieht sich selbst groß: In Ulrike Koflers Film Gina muss ein Kind ausgleichen, was die Mutter nicht hinkriegt.

Mutter Gitte (Marie-Luise Stockinger) erwartet ihr viertes Kind – und
sieht selbst für ein erstes noch zu jung aus. Sie ist auch nicht in der Lage, nur für eines zu sorgen, oder auch nur für sich selbst. Also übernimmt Gina (Emma Lotta Simmer), die älteste, neunjährige Tochter, die Aufgabe, sich selbst und ihre beiden Geschwister großzuziehen. Sie erinnert ihre Mama daran, den Kleinsten rechtzeitig in den Kindergarten zu bringen – sonst meldet sich wieder das Jugendamt. Sie schleicht sich mit ihren Geschwistern ins Hallenbad und bläst allen, auch sich selbst, die Schwimmflügel auf. Mutter Gitte flüchtet sich inzwischen in den Alkoholrausch.
Der Vater des Ungeborenen kann den Kindern die ersehnte Zuneigung auch nicht geben: „Ich bin kein Familienmensch“, sagt er, bevor er wieder auf unbestimmte Zeit verschwindet. Dennoch gibt Gina die Hoffnung nicht auf: Wenn das Baby einmal da ist, dann werden sie eine richtige Familie sein.

Für diesen Film hat die Regisseurin mehrere anonymisierte Berichte vom Jugendamt verarbeitet. Das Ergebnis ist in vielen Momenten berührend, in einigen erschütternd.

Foto: © Filmladen Filmverleih